Aktiver Widerstand

von Raul Tanasescu

9.4.2021

Ich habe mich im letzten Herbst von den Aktivitäten im Widerstand gegen die Hygienediktatur zurückgezogen weil mir schien, dass die Nische des Protestes etwas überfüllt wurde: zu unerträglich geschmacklos, kontraproduktiv, hässlich, zu unterwandert, zu vertrollt.

Angesichts so viel Geltungsdranges, Bühnengeilheit und Anschlussfähigkeit gegenüber der nationalistisch-chauvinistischen Schweinerei einerseits, andererseits aber auch angesichts der offenbaren Automatismen des „linken“ Milieus (der „Solidaritäts-Knopf!“ zum Ausschalten der Denkfähigkeit) wurde mir klar, dass bei andauernder politischer Tätigkeit notwendig die Frage der wirklichen Motivation ganz grundsätzlich geklärt stehen muss, um den Versuchungen des eigenen Geltungsdranges, der eigenen Herrschsucht nicht bei erstbester Gelegenheit zu erliegen. Dies umso mehr, da mir spätestens im Herbst 2020 klar wurde, dass es sich bei meinem Engagement nicht um eine kurzfristige Sache handeln würde; der Irrsinn ging ja munter weiter.

Seit Beginn unserer Aktionen vor einem Jahr wurden wir von einer pubertär agierenden Antifa angefeindet, als rechtsoffen diffamiert. Verkappte Völkisch-Nationale haben sich tatsächlich persönlich an uns rangewanzt. Es war ekelerregend. Die Polizei hat versucht, uns einzuschüchtern.

Das aber ist das altbekannte, das würdige Los anarchistischer Gesinnung.

Nicht dazuzugehören weil: nicht dazugehören WOLLEN.

Der Faschismus als totalitärer Selbstermächtigung des Staates dient dem Kapital; dem Kapital ist es gleich an wessen Elend es sich bereichert. Dass das linke Milieu kein Sensorium für die Faschistoidität gegenwärtiger (nationaler und globaler) Politik im Dienste des Kapitals hat ist mir nur als Ausdruck einer Dissoziation, einer neurotischen Abkürzung des Gedankens erklärbar. Durch die Kampagne namens Covid 19 wurde ein abermilliardenschwere neuer Absatzmarkt geschaffen. Der Mittelstand stirbt; die Umverteilung von unten nach oben ist atombombe.

Der Nationalstaat ist ein Unterdückungsapparat; er schafft sich im „Volk“ den Korpus über den er herrscht ja erst selbst. Dieser Apparat bildet seine Allianz mit der Religion und dem Kapital. Kapital, Staat, Familie, Gott: sie sind die Hindernisse auf dem Weg des Menschen zu sich.

Gott ist ein Nichts; hier im Osten Deutschland zwar nur ein Furz unter Anderen, aber die Milliarden glauben wie eh und je.

Familie: wo erlernen wir die Unterordnung denn zuerst; wo sind Liebe und Hörigkeit in Eines gegossen, wenn nicht in diesem bösen allgegenwärtigen, weltbeherrschenden Milieu der seelischen Desintegration!

Sodann übernimmt der Staat die weitere Verknechtung und wirft Generation nach Generation in den Rachen der Maschine. Diese Maschine frisst Leben und scheißt Geld.

Es ist eine verfahrene, eine hässliche Situation, in die uns die Kapitalinteressen verführt haben: uns läuft als Menschheit die Zeit davon. Im Angesicht des Abgrundes haben wir uns also zu fragen, hat jede und jeder Einzelne sich zu fragen, ob wir um der Probabilität des Erfolges unserer Bemühungen willen fortan vernünftig und gutmütig handeln wollen, oder ob wir es nicht angesichts der scheinbaren Aussichtslosigkeit beim Sterben welches wir Leben nennen belassen, gemütlich, bequem, privat.

Anders gesagt: will ich das Richtige tun, nur weil ich damit wahrscheinlich auch Erfolg haben werde (und demnach Anerkennung einheimse); oder tue ich das Richtige, das Bessere und Schöne auch eingedenk meines wahrscheinlichen (und von Tag zu Tag wahrscheinlicher werdenden) Scheiterns, trotz und eingedenk der Nachteile die damit in Kauf zu nehmen wären.

„Die Meisten“, so sagt Bias „sind schlecht“. Nach denen kann sich niemand mit Verstand richten. Und auch Heraklit stößt ins selbe Horn, wenn er bezeugt: „sie glauben Bänkelsängern und gehorchen Lügnern!“.

Gesetzt den Fall, es gäbe keine Aussicht auf Erfolg unserer Bemühungen um das gute Leben in einer schönen Welt, wäre das also ein Argument für die Resignation und das Mitschwimmen im Strom des Maschinenzeitgeistes von Unterordnung und Streben nach Macht und Bedeutung?

Nun ich denke: nein.

Ich denke, dass gerade die drohende Aussichtslosigkeit der Mühe um gemeinschaftliche Besserung den Wenigen ein gültiges Argument vorstellen sollte, der Besserung der eigenen Seele in der selben Bewegung wie der Besserung der Verhältnisse zuzustreben; und mehr noch, der Mensch ist angesichts seiner offenbar eingeborene Freude und Lust über sich hinauszustreben gut beraten, sich von der Menge, von den Vielen, von der Herde ehrlich zu lösen.

Erst alleine stehen KÖNNEN zeichnet den würdigen Gefährten.