Lieber Verfassungsschutz

Ein offener Brief

28.4.2021

Lieber Verfassungsschutz,

ich habe gehört, dass Du die „Querdenken“-Bewegung bundesweit überwachst.

Nun ist es aber so, dass die Außerkraftsetzung fast aller grundgesetzlich garantierten Menschenrechte durch die aktuellen Infektionsschutzgesetze selbst auch einen Angriff auf die Verfassung darstellt, die zu schützen ja Deine Aufgabe ist. Offenbar gerätst Du also ein bisschen zwischen die Stühle.

Ich weiß nicht, wie Du Dich tatsächlich positioniert – ich aber sehe die Sache so, dass der Staat im Augenblick im Begriffe steht, sich dummerweise selbst zu delegitimieren, indem er – anstatt sie zu garantieren – die Menschenrechte seiner Bürger angreift, relativiert und abschafft.

Das ist der eigentlich besorgniserregende Angriff auf die Zivilgesellschaft, der ganz notwendig zu vernünftigen und auch unvernünftigen Gegenbewegungen bei den Bewohnern dieses Landes führt, und führen muss.

Alle diese Gegenbewegungen gegen die Abschaffung der Menschenrechte unter den Begriff „Querdenker“-Bewegung zu subsumieren, ist letztlich eine Beleidigung gegen alle wirklich kritische Reaktion auf die gegenwärtige Krise.

Querdenken ist offensichtlich ein Querfrontprojekt, das die Verankerung völkisch-nationaler Narrative wie auch die Auflösung der Antinomie von „links“ und „rechts“ zugunsten des dümmsten und gefährlichsten aller Gefühle, dem Wir-Gefühl, anstrebt. Dieses Wir-Narrativ wird von der gegenwärtigen Exekutive mit ihrer verlogenen Corona-Kampagne ebenso bedient wie von den „Querdenkern“.

Gerade dieses „Wir-Gefühl“ aber ist es, was jeder freiheitsliebenden Zivilisiertheit mündiger und emanzipierter Kulturmenschen ENTGEGENSTEHT.

Auch daher geht Aktion Eigensinn keine Bündnisse ein, kooperiert nicht mit politischen Parteien, hat keine versteckte Agenda. Wir grenzen uns strikt von jeder Gewaltbereitschaft ab, verwahren uns gegen jede Utilitarisierung durch größere Akteure, streben nicht nach politischer Macht.

Soweit, Dir noch viel Freude bei Deiner Arbeit und der weiteren Lektüre,

Raul Tanasescu