Die Imagination der Gefahr

4.5.2021

Die Imagination der Gefahr

Nach über einem Jahr Corona-Pandemie sind wir immer noch nicht an dem Punkt, dass radikale Linke oder die „offizielle Antifa“ gegen die unsinnigen Pandemie-Schutz-Massnahmen und gegen den in Gesetze gegossenen Ausnahmezustand protestieren würden.

Erst die Ausgangssperre führt nun endlich zu linkem Protest gegen die Maßnahmen. Aber antiautoritäre, anarchistische und antifaschistische Menschen, die die von Pharma-Unternehmen entwickelten, und von Väterchen Staat beworbenen experimentellen Impfstoffe gegen Corona nicht für die Lösung halten, werden „Impfstoff für alle“ als Teil der abzulehnenden Kampagne identifizieren; es sind die selben Konzerne, die schon häufig wegen menschenverachtender Praktiken in der Kritik standen, und auch schon zur Zahlung hoher Entschädigungssummen verurteilt wurden, nun aber für die durch die neuartigen Impfmittel verursachten Schäden nicht haftbar gemacht werden können.

Viele linke kritische Menschen, bleiben den Demonstrationen fern.

Wer – genau wie ich – nicht im Traum daran denkt, sich an Protesten zu beteiligen, auf denen die deutsche Nationalflagge geschwenkt wird, kann sich keiner den sogenannten „Anti-Corona-Demos“ anschließen. Nur ist es für mich als Antiautoritäre ebensowenig möglich mich unter das Banner von „Alle impfen!“ einzureihen.

Es fehlt eine sowohl kapitalismus- als auch pandemiemaßnahmenkritische Organisierung; sie wird auch von der „Freien Linken“ nicht geleistet, solange sie gemeinsam mit Friede, Freiheit, Demokratie protestiert, und damit einen gemeinsamen Protest mit Solchen organisiert, die von umfassendem Sieg und von verfassungsgebender Versammlung reden.

Es kann nicht eben darum gehen, eine homogene Masse des „Anticoronaprotests“ zu bilden, sondern es muss um eine Ausdifferenzierung der Problemfelder gehen.

Menschen sollten sich nicht aus Angst davor, dass sie in die rechte Ecke gestellt werden, daran hindern lassen, ihrem Unmut über sinnlose und nur marginal evidenzbezogene Maßnahmen einen Ausdruck auf der Straße zu verleihen. Das „Pandemie-Managment“ ist schlecht, und eben das wird, wie beim Erkunden verschiedenster Milieus offensichtlich ist, auch zunehmend reflektiert.

Die „Antifa“ wiederum, die jegliche kritische Diskussion zu Pandemie, zu den Maßnahmen und den Impfungen abblockt, die zur Maske nur zu sagen weiß, dass sie doch schütze, ist offensichtlich nur noch dogmatisch, und scheint – überheblich wie sie sich gebärdet – als gesellschaftskritische Kraft verbraucht. Und es braucht auch keinen Gesundheitsfürsorgegott in Form eines Infektionsschutzgesetzes; selbst dann nicht, wenn er eine schwarze und eine rote Fahne schwingt.

Der eigentliche Macker-Trick (denn der Macker ist nicht notwendig ein Mann) ist die Respekteinflößung durch eine Arroganz, die sagt, dass wer sich der Antifa angeschlossen hat und für sie spricht, nicht falsch liegen kann, da es dem Sein der Antifa inhärent sei, für das Richtige zu stehen.

Durch die Beanspruchung von Allgemeingültigkeit, durch schnelles Austeilen von Beleidigungen, durch Verniedlichung, wird Überlegenheit herbeigemackert, welche den respektvollen Austausch von wirklichen Argumenten sabotiert, das Diskussionsklima vergiftet, Widerspruch verunmöglicht.

Dieses Mackertum ist mir aus anderen Zusammenhängen gut bekannt, sei es nun der Kunstbetrieb oder die Konfrontation mit Immobilienspekulanten oder „Kreativen“ aus der Werbebranche.

Wenn ich auf der Demo gegen die Abschaffung des Mietendeckels in Kreuzberg herumfrage, woran man sogenannte Schwurbler erkennen kann (denn als Solche wurde auch ich schon verunglimpft), war eines der genannten Erkennungszeichen, dass Solche keine Maske trügen.

Viele „Linksautonome“ sind mit der Maske IDENTIFIZIERT; nicht etwa weil sie zwingend an deren Schutzwirkung und Notwendigkeit an der frischen Luft glauben, sondern weil sie Gemeinschaftlichkeit erzeugt, weil verbindet. Die Maske spricht davon, dass „wir gemeinsam leiden“. Und wer sich nun erfrecht, die Plausibilität anderer wissenschaftlicher Hypothesen zu betonen, als jene, die der Staat propagiert, wer ungehinderte Luftzufuhr zu schätzen weiß, und gemeinsamem Rotzen und Grimassieren einen Wert beimisst, wer sich nicht in die Hölle der Keimlosigkeit einfügen mag, die & der wird zu einer inakzeptablen Bedrohung für den neu geschaffenen Gemeinschaftssinn!

Einerseits beziehen „Linke“ sich ständig auf „Aerosolforscher“, die sagen, dass Ansteckung im Freien unwahrscheinlich ist, andererseits wollen sie sich auf ihren Demos unbedingt an die Vorgabe des Maskentragens halten.

„Zwar sind wir gegen die Ausgangssperre, aber die Pandemie nehmen wir ernst, und wir halten uns an die Hygieneregeln. Das sind die Regeln, und das ist eine Demo mit Hygienekonzept.“

Das RKI weiß nicht, inwieweit Masken schützen, weiß nicht anzugeben, wie viele Infektionen sie verhindern. Aber es wird behauptet, dass sie wirken, sie sind demnach „gesund“ weil Infektionen verhindert werden KÖNNEN. Dies die Unwägbarkeit.

Sicher hingegen sind die Kosten. Sei es monetär, sei es die Behinderung des Atmens, sei es die Vergiftung am Material, sei es die damit einhergehende Müllflut, sei es die Unterbindung empathischer Kommunikation durch Mikromimik oder die Verbannung des Lächelns aus dem öffentlichen Raum! Derweil die Wirtschaft und die Politiker sich selbstredend auch diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, profitabel zu dealen.

Freunde ärgern sich über mein Schimpfen, und meinen: „Sag doch mal was Produktives, was Positives, sei mal konstruktiv.“ Ihnen entgeht, dass es ja genau das ist, was ich tue.

Der Zugang zu Information war noch nie so einfach wie heute. Auch daher frage ich mich, wie es kommt, dass in der gegenwärtigen Krise davon ausgegangen wird, dass die Obrigkeit, der Staat, das Kapital, die Menschen, ja die Menschheit nur schützen wollen. Dass im linken Milieu geglaubt wird, dass wir DIESMAL nicht belogen werden, dass die Mächtigen uns DIESMAL die Wahrheit sagen stellt letztlich ein copy & paste der staatlich-kapitalistischen Mythe vor. Es ist mir innerlich nicht nachvollziehbar, wieso eine grundsätzliche Infragestellung der offiziellen Pandemie-Erzählung keine antifaschistische, Option sein soll.

Jemand möge sich finden, die oder der mir das mal in Ruhe und – vor allem – vernünftig erklärt!

Was ist aus jenen Diskursen geworden, die Anfang des Jahrtausends noch eine Rolle spielten? Was ist mit der Kritik an der Gentechnik geschehen; und wie viel hat Virologie mit Genetik zu tun? Warum wird monomanisch das Virus weiter beschworen, obwohl wir inzwischen doch wissen, dass die Folgen der Maßnahmen verheerend sind? Wann haben wir aufgehört, abzuwägen?

Doch da gibt es ein künstliches Licht am Ende des Tunnels. Wir werden aufgefangen von der Wiederaufbauhilfe, die die Reichen zahlen sollen. Ich gehe davon aus, dass das tatsächlich gemacht werden wird; die „Philanthropen“ haben damit längst angefangen.

Bloß wird gerade dies nicht verhindern, dass das Prekariat wächst und wächst. Schon ist noch mehr Anpassung gefordert – wer keine Maske trägt fliegt raus, und wer die Impfung kritisiert ist eine Gefahr.

Auf diese Weise werden die früheren Nonkonformisten und „Gegner dieses Systems“ plötzlich die Norm bestimmen, weil sie die inhärente Ideologie dieser Erreger-Krise vollständig für sich übernommen haben: „der Mensch unter Menschen ist eine Gefahr, und du und ich können schlichtweg nicht wissen, wie groß die Gefahr ist, welche wir gerade füreinander darstellen. Deswegen sind wir auf jene Technologie angewiesen, die uns dabei hilft, uns selbst und einander einzuordnen; wir benötigen das technokratische Therapeutikum!“

Dabei mag das materielle Gefängnis verschwinden, doch während das eigene Selbst zum bloßen Objekt der Verwaltungsakte herabgewürdigt wird werden Geist und Körper zu Kerkern, in welche die Autorität jederzeit eindringen können wird.

Wenn meine Freunde mich also fragen, was ich Konstruktives vorzuschlagen und anzuregen habe, dann sage ich: „Hört auf, dem verstärkten und beschleunigten Normierungsdruck nachzugeben! Findet eine eigene, wirklich reflektierte, und nicht von Angst regierte Position!“