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18.5.20

von Robert Mai

Es ist nicht die Angst vor Corona die uns derzeit zu schaffen macht, sondern die Angst voreinander.

Die Angst davor beurteilt zu werden für das Bekennen der eigenen Meinung.

Bin ich ein Verschwörungstheoretiker, weil ich sage, es gibt verschiedene wissenschaftliche Standpunkte zu Corona?

Bin ich ein Nazi, weil ich aus Sorge um die Versammlungsfreiheit auf dem Rosa- Luxemburg Platz war, lange bevor es zu einer großen Demo wurde?

Jeder Same braucht einen fruchtbaren Boden um zu keimen. Die Linken haben den Acker zusammen mit Jens Spahn und Merkel mit gepflügt. Die Taz hat mitgemacht, denn sie verurteilte pauschal alle Kritiker als Verschwörungstheoretiker als die Samstagsdemos noch klein und nicht eindeutig von rechts vereinnahmt waren. Genau das hielt Linke fern und lockte Rechte an. Linke Hauskollektive, die ihre Türen vor „Fremden“ verschlossen, haben mitgemacht. Schweigen und Zuhause bleiben wurde zu einem solidarischen Akt.

Jede Kritik, die die offiziellen Zahlen oder ihre Ursprünge anzweifelt, wird als Verschwörungstheorie bezeichnet. Jetzt haben die Menschen Angst voreinander und Angst vor dem Ausdruck der eigenen Meinung. Das ist der Boden, in den die wahren Feinde der Menschlichkeit ihre Samen setzen. Einfache Antworten sind immer beliebter als komplexe Reflexion. Wenn öffentliche Reflexion aber bestraft wird, dann bleibt als Ausdruck des schlechten Gefühls nur noch Trotz. Und Trotz – dieses kindische Benehmen, das aus der Ohnmacht geboren wurde – ist die Sprache der AfD und aller anderen Populisten.

Und wenn ihr euch wundert, warum so viele Faschisten Samstags demonstrieren, warum Rechtsradikale wieder Menschen im Friedrichshain verprügeln, warum Männer wieder vermehrt offen sexistisch und übergriffig gegenüber Frauen auf der Straße oder in öffentlichen Verkehrsmitteln sind, dann fragt euch:

Wo wart ihr, als die Demokratie nach eurer Hilfe rief? Was habt ihr getan, als ihr sagtet, man müsse solidarisch sein? Wo ist eure Menschlichkeit, wenn ihr in selbstgewählter Isolation Netflix schaut und eure bei Amazon bestellten Dildos benutzt, während in Moria und überall an den europäischen Außengrenzen Menschen nicht an Corona sondern an Hunger und Hass sterben?

Corona ist nicht der Feind. Der Feind ist unsere eigene Angst!

7.5.20

von Raul Tanasescu

Kein Mensch kann sich in digitalen Räumen in wirkliche Beziehung setzen. 

Keine virtuelle Gemeinschaft ist echt. 
Das Digitale ist nicht lebendig. 
Der Bildschirm ist nicht schön!

Was macht es mit unserer Menschlichkeit wenn wir aufgrund moralischer Erwägungen die Freiheit und die Selbstbestimmtheit für das Gefühl von Sicherheit und Kontrolle opfern; wenn wir endlich vor Computern singen und tanzen und spielen, und uns daran noch gewöhnt haben? 

Was sagt es uns über unsere Gesellschaft, wenn Frisuren wichtiger sind als Lieder, und Baumärkte wichtiger als Theater?

Mit diesen Hintergedanken und -fragen laden wir ein: 
heraus aus der Dose! 

Runter mit der Maske der Unbeteiligtheit und des Anonymen!

Zeigt Euch!

Denn der öffentliche Raum braucht alles unmittelbare Geschehen nun mehr denn je; er braucht Lieder und lebendige Worte — Dein kunstvolles Spiel!

Und wir wollen Deine Meinung hören, zu dem was gerade geschieht!

Sag sie uns mit offenen Worten, in vorbereiteter oder spontaner Rede!

Sprich zu uns gegen die Verknechtung des Menschen durch den Menschen – denn auch wir glauben nicht an den Gehorsam und das Untertanentum!

Sprich zu uns als Anwalt der Freiheit, denn auch wir glauben: sie will verteidigt und erstritten sein!

Anstelle eigener Worte für dieses Mal eine Auswahl der abgelegten Schilder auf der Trauerfeier für die Demokratie am 26. April.

22.4.20

von Hanna Franck

Die Kacke ist richtig am dampfen – und es hört auch nicht auf zu stinken, nur weil uns langsam einige Rechte wieder gewährt werden. Ein paar mehr Geschäfte dürfen öffnen. Da sag ich nur: Hurra! Es darf wieder gearbeitet werden – ein neuer triftiger Grund das Haus zu verlassen! Und in einigen Bundesländern wurde sogar wieder demonstriert! Das freut mich ehrlich – und mein Dank gilt den Menschen und Aktionen, die durch Einsatz und Eilverfahren unser Grundrecht auf Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit zurückerstritten haben. Das ist ein erster und notwendiger Schritt, um den angebrachten Protest nicht in virtuellen Räumen verhallen zu lassen, sonder ihn effektiv und laut auf die Straße zu tragen.

Das zentrale Problem aber, dass sich der Staat nach wie vor in die privatesten Aspekte des Lebens und der sozialen Beziehungen einmischt, ist noch nicht behoben – und bisher gibt es bezüglich dessen (anders als für Friseurbesuche) noch keine Absichtserklärungen seitens der Politik. Die grundlegende Anmaßung des Staates, Menschen zu Bevölkerung hinabzudefinieren, die es möglichst effektiv und hygienisch zu verwalten gilt, ist das eigentlich erschreckende. Und selbst wenn irgendwann die Kontaktbeschränkungen aufgehoben werden, wird dieser Schrecken und diese Erniedrigung noch lange nachwirken – gesellschaftlich wie individuell.

Jemand, dem man das Recht zu verbieten einräumt und zu erlauben, der ist der tatsächliche Herr. Nicht mehr sind somit der Staat und die Regierenden ein Organon der Menschen, wie es einer Demokratie würdig wäre – sondern wir sind in der Tat zu Untertanen geworden. Und wenn wir eines Tages unsere Grundrechte, welche doch eigentlich Menschenrechte sind, wiederbekommen, dann haben wir wahrscheinlich sogar noch dankbar zu sein.

Ich bin mir bewusst, dass eine Freiheit, die einem so von einem auf den anderen Tag genommen werden kann, doch tatsächlich nie eine wirkliche Freiheit war. Schon vorher waren die Befugnisse über Glück und Unglück eines Jeden zu entscheiden weitreichend. Menschen wurden eingesperrt wegen politischer Arbeit, wegen BVG-Schulden oder wegen falscher Papiere. Menschen wurden mithilfe staatlicher Maßnahmen zum Stillhalten oder Mitmachen gezwungen. Die, welche das nicht konnten oder wollten wurden ausgegrenzt, unterdrückt und in menschenunwürdige Bedingungen gezwungen.

Umsomehr aber wird das häßliche Gesicht dieser Anmaßung nun deutlich, wo schon die grundlegendst menschlichen sozialen Handlungen in die Illegalität gezwungen werden. Dass Gruppen sich nur noch im öffentlichen Raum bewegen dürfen, wenn sie einem Haushalt angehören, was für den größten Teil der Menschen ein Zurückgeworfensein auf die Kleinfamilie bedeutet, ist ein biedermeierscher Albtraum. Die joggende Familie mit Hund ist das Ideal der Corona-Zeit.

Das durch diese Regeln ganze Lebensentwürfe negiert werden, ist andererseits häßliche Realität. Seinen Lebenspartner darf man noch besuchen. Was ist mit all denen, die sich solcher Definitionen enthalten wollen? Ab wann ist man überhaupt Lebenspartner, und wieviele davon darf man haben? Netzwerke zur Kinderbetreuung, so wichtig für viele die eben nicht in Kleinfamilien leben, sind auf einmal in die Illegalität gedrängt oder gänzlich verunmöglicht; überhaupt soziale Netzwerke zur gegenseitigen Unterstützung, welche für viele zentraler Bestandteil und dringende Notwendigkeit für ihr Leben sind.

Ich komme nicht umhin ein Überdrehen der obrigkeitsgeilen Gesellschaft zu konstatieren. Der Gesundheitsschutz scheint dabei lediglich Feigenblatt zu sein. Warum sonst werden nicht Wohnungen im großen Stil und niederschwellig für Wohnungslose geöffnet? Warum sitzen Leute in Massenunterkünften? Warum werden nicht jetzt, da doch der Zusammenhang zwischen schweren Verläufen und Luftqualität klar wird, schnell und massiv Gesetze gegen Luftverschmutzung verabschiedet? Warum gibt es keine organisierte Hilfe beispielsweise beim Liefern von Lebensmitteln für Menschen, die zur Risikogruppe gehören und nicht mehr raus gehen wollen? Warum nicht bezahlter Urlaub für Menschen mit Vorerkrankungen, anstatt sie weiter zur Arbeit zu schicken solange sie noch nicht krank sind?

Die Antwort auf die medizinische Herausforderung ist lediglich ein starker Staat mit viel Verbot und ein bißchen Zuckerbrot. Stillhalten und Mitmachen. Und die meissten halten still und machen mit. Was für eine Scheiße!


11.4.2020

von Raul Tanasescu

Es hat sich ein Gedanke aufgedrängt: wir haben es mit der Ablenkung von etwas Eigentlichem zu tun. Nicht das Virus ist die Ursache der „Krise“.

Während unsere Gesellschaft ihre Alten seit geraumer Zeit in die Heime jenseits des Wahrnehmungshorizontes zum Ableben abschiebt, werden nun gerade diese Alten als Argument zur Abschaffung unserer Menschenrechte per Dekret missbraucht. 
Das ist infam und bigott.

Offenbar befinden wir uns inmitten eines Verteidigungskampfes gegen den alles infiltrierenden Gedanken der totalen Sicherheit. Der aber ist der Gedanke der totalen Überwachung. Die Idee der totalen Überwachung wiederum ist der überkompensatorische Wunsch der Mächtigen um des unwägbaren Elements ihrer Berechnungen – des Eigenwillens der Beherrschten – Herr zu werden. Nach der Beherrschung und der Unterwerfung dieses Willens zur Freiheit und Selbstbestimmtheit gelüstet es jeder Macht.

Es ist inakzeptabel, ja indiskutabel, jetzt die Füße still zu halten, die Hände untätig in den Schoß zu legen, zu warten, zu hoffen. Dies hieße den in Jahrhunderten erkämpften Freiheiten unserer Kultur zu entsagen.

Eigentlich will ich ein unpolitisches Leben führen, dem Schönen und dem Guten zugewandt. Gerade dazu gehörte für mich, mich aus allen Macht- und Herrschaftsfragen herauszuhalten.

Jetzt aber hat etwas meine Perspektive verändert: das Verbrechen, welches durch den Staat an der Kultur verübt wird, der ich mich – trotz allen Unbehagens – aufs Innerlichste verbunden und verpflichtet fühle.

Sich nun entschieden zu positionieren, sich für die Freiheit, sich für unsere und Aller Menschenrechte und bürgerlichen Freiheiten einzusetzen ist letztlich allein eine Frage des Anstands. Dies aber zu erkennen und umzusetzen braucht es – offenbar – innere Freiheit, und Mut.

Den innerlich Unfreien nämlich ist ja gar nichts Wirkliches genommen, wenn ihnen ihre äußere Freiheit genommen wird, und das Außen somit nur zum Pendant der innerlichen Verkerkerung verkommt. Jenen Anderen aber, denen der Eigenwille mehr ist, als nur ein Gespenst, Jenen, in deren Alltag die Idee der Freiheit als maßgeblicher Gedanke wirkt, jenen, die sich nahe der Idee der Selbstbestimmtheit lagerten, den Frei-Willigen, den Mutigen, denen nimmt der Staat nun IHRE Welt.

Angesichts der Abschaffung unserer bürgerlichen Freiheiten und fundamentalen Menschenrechte ist nun ziviler Ungehorsam die einzig redliche Haltung. 

Das Gebot der Stunde ist der Aufbau einer alle Teile der Gesellschaft umfassenden Bürgerrechtsbewegung in entschiedener Opposition zu der autoritativen Anmaßung des Staates.

Nur Mut!


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