Das Gebot der Stunde

11.4.2020

von Raul Tanasescu

Es hat sich ein Gedanke aufgedrängt: wir haben es mit der Ablenkung von etwas Eigentlichem zu tun. Nicht das Virus ist die Ursache der „Krise“.

Während unsere Gesellschaft ihre Alten seit geraumer Zeit in die Heime jenseits des Wahrnehmungshorizontes zum Ableben abschiebt, werden nun gerade diese Alten als Argument zur Abschaffung unserer Menschenrechte per Dekret missbraucht. 
Das ist infam und bigott.

Offenbar befinden wir uns inmitten eines Verteidigungskampfes gegen den alles infiltrierenden Gedanken der totalen Sicherheit. Der aber ist der Gedanke der totalen Überwachung. Die Idee der totalen Überwachung wiederum ist der überkompensatorische Wunsch der Mächtigen um des unwägbaren Elements ihrer Berechnungen – des Eigenwillens der Beherrschten – Herr zu werden. Nach der Beherrschung und der Unterwerfung dieses Willens zur Freiheit und Selbstbestimmtheit gelüstet es jeder Macht.

Es ist inakzeptabel, ja indiskutabel, jetzt die Füße still zu halten, die Hände untätig in den Schoß zu legen, zu warten, zu hoffen. Dies hieße den in Jahrhunderten erkämpften Freiheiten unserer Kultur zu entsagen.

Eigentlich will ich ein unpolitisches Leben führen, dem Schönen und dem Guten zugewandt. Gerade dazu gehörte für mich, mich aus allen Macht- und Herrschaftsfragen herauszuhalten.

Jetzt aber hat etwas meine Perspektive verändert: das Verbrechen, welches durch den Staat an der Kultur verübt wird, der ich mich – trotz allen Unbehagens – aufs Innerlichste verbunden und verpflichtet fühle.

Sich nun entschieden zu positionieren, sich für die Freiheit, sich für unsere und Aller Menschenrechte und bürgerlichen Freiheiten einzusetzen ist letztlich allein eine Frage des Anstands. Dies aber zu erkennen und umzusetzen braucht es – offenbar – innere Freiheit, und Mut.

Den innerlich Unfreien nämlich ist ja gar nichts Wirkliches genommen, wenn ihnen ihre äußere Freiheit genommen wird, und das Außen somit nur zum Pendant der innerlichen Verkerkerung verkommt. Jenen Anderen aber, denen der Eigenwille mehr ist, als nur ein Gespenst, Jenen, in deren Alltag die Idee der Freiheit als maßgeblicher Gedanke wirkt, jenen, die sich nahe der Idee der Selbstbestimmtheit lagerten, den Frei-Willigen, den Mutigen, denen nimmt der Staat nun IHRE Welt.

Angesichts der Abschaffung unserer bürgerlichen Freiheiten und fundamentalen Menschenrechte ist nun ziviler Ungehorsam die einzig redliche Haltung. 

Das Gebot der Stunde ist der Aufbau einer alle Teile der Gesellschaft umfassenden Bürgerrechtsbewegung in entschiedener Opposition zu der autoritativen Anmaßung des Staates.

Nur Mut!